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Liebes Tagebuch

Ja liebes Tagebuch es gab Zeiten da ich keinen Morgen beginnen konnte, ohne dass ich meinen Seele vor Dir offenbarte, in die Tasten haute was sich über Nacht meistens so anstaute. Ich habe Dich Seitenweise zugeschrieben. Niemals habe ich mich gefragt wie es Dir wohl ergeht, was du dazu sagen würdest, nein ich habe einfach Ballast abgeworfen und nicht gefragt ob du Lust hast zuzuhören oder ob Du insgeheim dachtest aber bitte nicht schon wieder diese Sache, nein dieses Kapitel sollte doch endlich abgehackt sein.

Komisch, heute beim Spaziergang im Wald mit meinem Hund habe ich zum allerallerersten Mal an Dich gedacht mein liebes Tagebuch, habe die zurückliegenden schwierigen Zeiten durch den Kopf gehen lassen. Dass du unendlich wichtig für mich warst war mir schon immer klar, aber das Du so viel Ballast ertragen musstest wurde mir eigentlich erst heute morgen bei diesem unbeschwerten Lustwandeln durch den Frühling bewusst. Was ich Dir anvertraute konnte ich keiner noch so guten Freundin erzählen, zu schwierig die Sachlage, zu steinig der Weg, zu ungewöhnlich die Handlungen.

Du hast nicht gewertet, nicht kommentiert, nicht schwarz weiss gemalt, nicht den Kopf geschüttelt und nicht gesagt, Mensch bist du bescheuert, du hast einfach hingenommen was ich dir vor die Füsse warf . Wenn ich Tage oder Wochen danach die Sätze wieder las dachte ich so manches mal habe wirklich ich das geschrieben, habe ich das gefühlt habe ich das getan, welcher Mensch bin ich denn nun?

Nicht mehr der, der ich einmal war, nicht mehr der, der ich einmal glaubte zu sein. Das bin ich nach meiner Wandlung nach meinem Raupen Dasein , nach meiner Befreiung aus dem Kokon.
Zaghaft zuerst die Schritte , zaghaft auch das bemerken der Gefühle. Noch schwieriger das bestimmen und einordnen, katalogisieren.. Ach es war nicht Liebe es war nur Eitelkeit, ach es war nicht dies oder nicht das. Gefühle schütteln einen durch, Gefühle wahrnehmen ist eine Sache, danach handeln eine andere. Ich habe es getan und diese steile Gratwanderung gemacht. Wehren oder nicht wehren war manches mal die ganz zentrale Frage. Zulassen oder nicht zulassen. Ganz oft hat mich mein Bauch
mit heftiger Uebelkeit gewarnt. Was man früher gar nicht wahrnahm wird heute nicht mehr toleriert. Hilfestellung vom Körper. Wenn mich ein Mensch in diesem Moment beobachtet hätte, dann hätte er mich nach meinem , diesem Handeln katalogisiert. Aber ich bin nicht ein Mensch der nur aus dem besteht was er hier und jetzt in diesem oder jenem Moment lebt oder macht. Ich bin wer ich bin und ich wurde das was aus mir gemacht wurde, ich bin das Ergebnis meiner frühesten Kindheit. Dass ich die Zwangsjacke abgeschüttelt habe, mich befreit habe von all den gedanklichen Fesseln der frühkindlich indoktrinierten Wertvorstellungen die niemals dem Wandel der Zeit angepasst wurden weil mir keine Chance gelassen wurde sie anzupassen. Terror, Psychoterror hatte Macht über mein Leben und Handeln. Viel Macht viel zuviel Macht.

Wie vielen Menschen ist es klar dass sie gar nicht mehr fühlen können, das sie aus Stein bestehen und einfach in den Tag leben, abgestellt zugemauert, hoffnungslos versteinert.

Tagebuch ich danke Dir denn danach fühlte ich mich in den allermeisten Fällen besser, nicht gut aber entlastet, nicht vogelfrei aber ohne diesen Klumpen im Bauch. Ich habe die Last abgeladen und wusste sie behütet von Dir.

Aber heute kam mir plötzlich der Gedanke was wenn du dich mit meinem Müll ganz beschissen gefühlt hast, gedrückt, bedrängt und ich, ich habe es nicht einmal bemerkt dich nur benutz, belästig, vergewaltigt . Ein entsetzlicher Gedanke - oder was sagst du dazu. ?
6.11.06 18:17


Alices Reise

Eine junge Frau namens Alice beschloss eines Abends Ihr Elternhaus zu verlassen. Sie hatte nur einen Wunsch. Weg, weg, möglichst weit weg. Ein bisschen was vom Leben sehen und ein ganz klein bisschen Spass haben, wie andere Männer und Frauen in Ihrem Alter das auch haben. Sie kannte das alles nur vom Hörensagen, denn bis anhin erfüllte sie nur zwei Dinge, Gehorsam und Pflichterfüllung. Ihre Mutter erkrankte schon sehr früh, das allein wäre ja schon hart genug gewesen, aber die Frau benutze Ihre Krankheit auch um die ganze Familie nach ihrem Willen tanzen zu lassen. Wie Marionetten an einem Strick., mal zog sie da, mal zog sie dort und alle rund um sie herum hatten gelernt, dass es das beste war, wenn man den Zuckungen der Fäden folgte, alles andere führte zu endlosen Streitereien. So hatte die kleine Alice schon früh gelernt dass Streiten nichts nützte, Streit machte Aerger immer mehr und mehr. Alice wusste von Ihrer Mutter dass die Welt voller Gefahren sei und überhaupt, aber wie das so ist, die Menschen möchten ja ihre eigenen Erfahrungen machen.

Also, Alice ging eines Tages raus und irgendwie sie wusste selber nicht wie, landete sie in einer elenden Wüste. Sie wusste nichts vom Leben, nichts von der Welt und schon gar nicht dass Wüsten existierten. Sie war deshalb ziemlich überrascht, ein bisschen ängstlich hier draussen sich zu bewegen nicht zu wissen was man machen sollte. Wie war das doch zu Hause einfach gewesen. Dort hatte das Diktat der Mutter geherrscht, jede Stunde, jede Minute hatte sie immer gewusst was nun zu machen sei., ein leichtes zu wissen was zu machen ist.
Sie lief nicht lange in der Wüste herum. Schon bald traf sie auf ein anderes Individuum der Gattung Mensch. Hab ich ein Glück dachte sie ,ein Mensch, ein richtiger Mensch hier in dieser Wüste wo nur Einöde und Hitze herrschen ein Mensch, ein richtiger Mensch.. Der Mann hiess Bruno. Und eigentlich schien es Alice diese Person sei ziemlich umgänglich.. Er erzählte Witze, war spassig und überschlug sich fast vor Fröhlichkeit wie ein balzender Pfau der ständig das rad macht. Obwohl es eigentlich gar keinen Grund gab Witze zu machen heiterte seine spassige Art Alice auf. Endlich mal etwas lustiges erleben, nicht immer Trübsal blasen, putzen, waschen, aufräumen, einkaufen, Schuhe putzen, ja vor allem das Schuhe putzen für die ganze Familie das hasste sie wie die Pest., Krankenpflege machen. Endlich einmal ein kleines bisschen spüren vom richtigen LEBEN.. Das Leben konnte ja so richtig schön sein – oder nicht?

Trotzdem war ihr bewusst, dass sie irgendwie etwas dummes gemacht hatte, nun war sie hier in einer Wüste gelandet. Es schien ihr die Wüste sei wirklich riesig, heiss, weit, gefährlich.
In Gedanken schimpfte sie mit sich selber, ja die Eltern hatten sie doch gewarnt, da draussen ist es gefährlich und wenn Du nicht auf uns hörst, wird das alles kein gutes Ende nehmen.
Ja, so war das wohl, es kam ihr in den Sinn, dass früher immer wenn sie was gemacht hatte was ihre Eltern ihr verboten hatte sofort eine Strafe Gottes eingefahren war. Sie wusste nicht warum und wieso aber Gott schien immer zu sehen was sie machte und die Mutter sagte auch immer Gott straft sofort.
Ihr kam die Erkenntnis , die Eltern mussten kluge Menschen mit sehr viel Lebenserfahrung sein und sie sie war wirklich ein dummes Ding und hatte wieder einmal nicht gehört.


Nun, so dachte sie, und da sprach wieder ein anderer Teil ihrer Seele zu ihr, vielleicht ist das ja alles auch gar nicht so schlimm und überhaupt habe ich ja jetzt diesen Bruno getroffen der wird schon wissen was zu tun ist, es scheint er ist ein paar Jahre älter und hat mehr Lebenserfahrung ich werde mich mal ein bisschen an ihn halten und sehen wie das jetzt weitergeht. Irgendwann werden wir auch in dieser grossen Wüste mal auf Leute treffen und dann, ja dann kann ich mich auch ohne weiteres wieder abseilen, kein Problem. So dachte sie, dieses junge, dumme ,unerfahrene Ding. Jawohl, eigentlich ein ganz normaler Gedanke wie man meinen könnte oder nicht.?

Doch leider, schon sehr bald merkte sie, dass Bruno ein kleines Problem hatte und zwar fürchtete er sich noch viel, viel mehr vor diese riesigen Wüste. Deshalb machte er immer Spässe, um damit seine eigenen Angst und Unsicherheit zu verbergen. Dies hatte Alice sehr schnell bemerkt, aber was tun, sollte sie ihm sagen du bist ein Schisshase , sei ein Mann und überlege war wir gemeinsam hier draussen tun können. Nein, so viel Mut hatte sie nicht. Sie hatte nie gelernt irgend jemandem irgend etwas zu sagen auch wenn es ihre feste, innere Ueberzeugung war. Zu grosse Angst hatte sie, nicht mehr geliebt zu werden, zurück gestossen zu werden. Nein, dachte sie, es ist besser zu schweigen und sein Spiel und seine Spässe mitzumachen. Sie dachte sich, wenn wir beide fest zusammenhalten, dann sind wir zwei, also, gemeinsam sind wir stark, da kann uns wohl nichts passieren.

Da sie also beide gleich dachten und keinen Lust hatten die Wüste zu durchqueren stellte sich auch –gottseidank- nicht die Frage über diesen Punkt streiten zu müssen.“ Sollen wir oder sollen wir nicht“, es war ganz logisch, dass sie nicht wollten. Sie beschlossen an diesem Platz zu verharren. Irgendwann würde sich dann schon eine Lösung abzeichnen und Alice hatte gelernt ,dass man nur genug beten musste bis Gott eine Lösung schickte .Gott konnte nicht nur strafen, nein natürlich nicht, nein Gott konnte einem auch zu Hilfe kommen.
.
Natürlich dachte sie in einem kleinen winzigen Ecken ihres Hirnes darüber nach die Wüste alleine zu durchqueren und fand auch dass es sicher eine Möglichkeit gegeben hätte die man näher durchdenken müsste. Doch Bruno jammerte über dieses und jenes Leiden dass ihn plagte und sie sagte zu sich, nein Du wärest jetzt wirklich ein schlechter Mensch würdest Du deinen Retter in der Not einfach hier in dieser Einöde verlassen und alleine flüchten.
Nein mit diesem Gedanken oder dieser Tat hätte sie nicht leben können.

FORTSETZUNG FOLG
13.11.06 21:58


Novembernebel

Novembernebel senkt sich über diese Erde
über Blumen, Gräser, Bäume und
über meine Seele

Novembernebel hüllt mich ein
schützt mich
lässt mich ein bisschen
traurig sein

Novembernebel legt sich wie eine
sanfte Decke über mich
verschleiert meinen Blick und
macht mich nachdenklich

Novembernebel zwängt sich in jede Ritze
zwischen jedes Haus
und verhängt der
Spinnen Netze

Novembernebel lässt sich vom Sonnenscheine
necken
gibt dem Tanzen ihrer Strahlen nach
und lässt sie die Farben neu erwecken

würden wir
ohne
Novembernebel
der Sonne Schein wirklich schätzen?
16.11.06 20:48


Sehnsucht hüllt meine Seele ein

Sie ist wieder da

Sie nimmt Besitz von mir
zuerst ein bisschen dann immer mehr
Sehnsucht,
kleine Sehnsucht,
grosse Sehnsucht
Sehnsucht hüllt meine Seele ein
überfällt den ganzen Körper

Ich dachte
mit der grossen Liebe geht dieses
Drängen meiner Seele vorbei
Doch es ist nicht vorbei
Sie hört nicht auf
Sie beginnt wieder zu schreien
wie ein kleines Kind

Ich will, ich will, ich will
Aber WAS will sie?

Ich höre ihr zu
ich rede mit ihr,
sag mir was du willst
Was ist es? Was muss ich tun?

Ich bekommen kein Antwort
Nur Stille, Leere, Ruhe
und dieser Schmerz

Und
Drängen
Ich will, ich will, ich will,

Ich muss den Weg weitergehen
Darf nicht mitten im Labyrinth stecken bleiben
MeineReise ist noch nicht vollendet
Es ist erst die Hälfte der Arbeit getan
Wie immer liegt Arbeit, Arbeit, Arbeit und ein
weiter Weg vor mir
Wohin wird er führen?
Ins Abseits
Oder zum Mittelpunkt
Zum Absturz oder
Ins Aus
Ich weiss es nicht
Ich werde versuchen die richtige Strasse zu gehen
Immer dem Drängen meiner Seele nach

Aber wird sie mich nicht irre führen?
werde ich irgendwann vor dem Abgrund stehen
Vor einem Scherbenhaufen
Vor dem nichts

Doch auch wenn

Ist es nicht besser zurückzublicken und sagen zu können

Ich habe es versucht
Wenigstens
versucht
20.11.06 09:43





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